Zum Abschluss der Serie über die Anzucht unserer Kulturen stellen wir Ihnen die Anzucht von Obsthochstämmen vor. Alle Beiträge finden Sie auch unter ´Pflanzenwissen´.

Noch vor einer Generation waren sie in unserer Landschaft prägend, an Straßen, in Gärten und auf Streuobstwiesen.
Nur an wenigen Feldwegen findet man alte Bestände oder neu gepflanzte, an Straßen sind sie inzwischen fast gänzlich verschwunden. Streuobstwiesen werden aufgegeben und nicht nachgepflanzt, nur ganz vereinzelt findest sich ein Enthusiast und pflanzt neu an. Mitunter werden sie als ökologische Ausgleichsmaßnahmen im öffentlichen Raum angelegt.
Sie sind für die Artenvielfalt und die Natur ein wichtiger Lebensraum, da sich viele Lebewesen dort über die Jahrhunderte angepasst haben.
So z.B. auch der Vogel des Jahres 2022 – der Wiedehopf.


Es ist sehr aufwändig, einen Hochstamm anzuziehen. Je nach Obstart und Sorte dauert es bis zu 4 Jahren.

Die Unterlagen sind Sämlinge, die besonders stark wachsen. Diese werden zugekauft, eingeschlagen, damit sie nicht austrocknen, im Winter geputzt (Wurzelrückschnitt), wieder eingeschlagen und dann im Frühling, nachdem ein Zaun um die Baumschulfläche gebaut wurde, per Hand gepflanzt. Der Boden wird vorher gründlich bearbeitet.

Bis zur Veredlungszeit sind einige Bodenbearbeitungen notwendig. Im Sommer werden in die Unterlagen Augen einer Sorte oder Augen eines Stammbildners eingesetzt. Ein Stammbilder wird zwischenveredelt, wenn die gewünschte Sorte nicht selber in der Lage ist, einen Stamm zu bilden. Es gibt auch Sorten - Unterlagenkombinationen, die sich nicht vertragen, weshalb ebenfalls ein Stammbildner veredelt wird. Allerdings arbeiten wir nicht mehr mit Stammbildnern. wir ziehen die Sorten auf eigenem Stamm.

Zum Beginn des 2 Kulturjahres wird die Wildkrone über dem Auge erst maschinell abgesägt, dann noch mal mit der Hand exakt nachgeschnitten. Nun kann alle Kraft beim Austrieb in das Auge gehen. Im Laufe der Vegetationszeit wird aber noch mehrmals gewildert, d.h. Wildtriebe aus der Unterlage werden entfernt. Bodenbearbeitung ist wichtig. Nachdem der Trieb aus dem veredelten Auge ein bestimmte Höhe erreicht hat, wird der Austrieb gestäbt, damit er schnurgerade in die Höhe wächst.

Manche Sorten wachsen im 2. Kulturjahr schon so hoch, dass sie im 3. Kulturjahr als Halb- (Stammhöhe 1,25m) oder Hochstamm (1,80 m) entsprechend ihrer gewünschten Kronenhöhe angeschnitten werden. Der zukünftige Stamm wird mehrmals aufgeputzt, d.h. Seitentriebe am Stamm werden entfernt. Die Stäbe müssen entsprechend der Höhe erneuert werden. Im Herbst stehen dann solche schönen Obsthochstämme auf unserem Feld zur Rodung bereit.

Bei den Süßkirschsorten wird die endgültige Sorte in 1,80 m Höhe durch Kopulation mit einem Reis darauf veredelt. Mehrmalige Bodenbearbeitung und aufputzen bzw. wildern sind auch hier notwendig, damit der Baum gut wächst und aus dem Reis starke Kronentriebe wachsen.

Im Herbst haben auch diese Bäume eine gleichmäßige, kräftige Krone und können gerodet werden. Sie werden sortiert, gebunden, abtransportiert und als Trockenschutz sowie zur Überwinterung eingeschlagen.
Die Stammstärke der Bäume sollte mindestes 7 – 8 cm Stammumfang betragen, idealerweise 8-10 cm und mehr. Dafür ist dann oftmals auch ein weiteres Kulturjahr notwendig. Für den privaten Bereich sind die 4-jährigen Bäume aber vollkommen ausreichend.